Ist die Keto-Diät wirklich gesund?

Montag, 22. Juni 2020

Ist die Keto-Diät wirklich gesund?

In den letzten Jahren gab es einen regelrechten Hype um die ketogene Diät. Dabei wird auf Kohlenhydrate weitgehend verzichtet und stattdessen Nahrungsmittel konsumiert, die einen hohen Protein- und Fettgehalt haben. In den letzten Jahren entwickelte sich um diese Ernährungsform ein extremer Hype und glaubt man den Werbebotschaften, dann kann sie wahre Wunder vollbringen. Doch sind all die positiven Dinge, die einer ketogenen Ernährungsweise zugeschrieben werden, wirklich wahr? Schauen wir uns die Studienlage ein wenig genauer an.

Geschichtliches

Forschungen zur ketogenes Ernährungsweise gibt es mittlerweile schon seit Jahrzehnten, die ältesten gehen bis in die 20er-Jahre des letzten Jahrhunderts zurück. Im Jahr 1921 machte ein amerikanischer Arzt eine Studie, in er eine ketogene Diät ausprobierte, um pädiatrische Epilepsie zu behandeln, also Epilepsie bei Kindern. Die ketogene Diät sollte dabei so kohlenhydratarm sein, dass sie den Fastenzustand effektiv nachahmte. Die Studie war ein Erfolg und heute ist diese Ernährungsform eine anerkannte Therapieform für pharmakoresistente Epilepsien im Kindesalter und verschiedene seltene Stoffwechselstörungen, insbesondere Kohlenhydratstoffwechselstörungen.

Im Laufe der Zeit wurde der Erfolg dieser Ernährungsweise bei bestimmten Erkrankungen jedoch von Befürwortern der Keto-Diät so verdreht, dass sie heute als eine für alle Menschen vorteilhafte Ernährungsweise propagiert wird.

Was ist die Keto-Diät?

Bei der ketogenen Ernährung wird auf Kohlenhydrate praktisch komplett verzichtet. Damit ist der Körper dazu gezwungen, Fett statt Kohlenhydrate zu verbrennen. Und genau das geschieht auch. Die Fettmenge, die verbrennt wird, schießt bei der Keto-Diät in die Höhe. Es gibt heute verschiedenste ketogene Ernährungsweisen, die auch unter dem Namen Low-Carb bekannt sind.

Ist also alles gut, weil einfach mehr Fett verbrannt wird? Leider nein, denn es erhöht sich nicht nur die Fettverbrennung stark, sondern auch die Menge des Fetts, das konsumiert wird. Die Folge ist, dass sich der Körperfettabbau insgesamt verlangsamt. Wie kann das aber sein, wo doch viele Menschen mit dieser Diät abnehmen?

Ketogene Diät und Gewichtsverlust

Schaut man nur auf die Waage, so scheint eine kohlenhydratarme Ernährung ein Erfolg zu sein. Was im Inneren des Körpers geschieht, erzählt aber eine andere Geschichte. Bei einer ketogenen Ernährungsweise kann sich der Fettabbau um mehr als die Hälfte verlangsamen, sodass das meiste, was an Gewicht verloren geht, Wasser ist. Der Grund, warum weniger Fett verbrannt wird, ist vermutlich derselbe, aus dem Menschen, die mit dem Fasten beginnen, weniger Fett verbrennen: Ohne Kohlenhydrate, den bevorzugten Brennstoff unsers Körpers, fängt er an, mehr eigenes Eiweiß zu verbrennen. Keine guten Nachrichten also für Personen, die mit dieser Ernährungsweise Fett abbauen bzw. Gewicht verlieren möchten.

Negative gesundheitliche Konsequenzen

Leider ist das nicht die einzige schlechte Nachricht für Menschen, die sich streng ketogen ernähren. Eine Reihe von Studien hat noch auf andere Probleme hingewiesen. Darunter auch folgende:

  • Menschen, die sich streng ketogen ernähren, haben eine unzureichende Aufnahme von 17 Mikronährstoffen.1
  • Kinder, die sich ketogen ernährt haben, haben Skorbut bekommen.2 Andere sind aufgrund eines Mangels an dem Mineral Selen sogar gestorben.3 (Ein Selenmangel kann zu plötzlichem Herztod führen.) Dazu können bei Kindern Wachstumsstörungen entstehen.
  • Bei ketogener Ernährung kommt es häufiger zu Knochenbrüchen 4, Nierensteinen 5 und Verstopfung 6.
  • Es hat sich auch gezeigt, dass Keto-Diäten den Reichtum und die Vielfalt unserer Darmflora verringern.7
  • Menschen, die sich ketogen ernähren, nehmen viele gesättigte Fettsäuren zu sich. All diese gesättigten Fette können einen tiefgreifenden Einfluss auf das Herz haben: Eine Metaanalyse von vier Kohortenstudien nach der Ernährung, den Krankheiten und Todesfällen von mehr als einer Viertelmillion Menschen ergab, dass diejenigen, die sich kohlenhydratarm ernähren, ein signifikant höheres Risiko einer Gesamtmortalität haben, was bedeutet, dass sie im Durchschnitt ein signifikant kürzeres Leben führen.8 So führt eine ketogene Ernährung bspw. zu einer verringerten Arterienfunktion.9
  • Wie sich gezeigt hat, hat eine ketogene Ernährung auch negative Effekte auf das Muskelwachstum beim Training.10

Fazit

Eine ketogene Ernährungsweise kann Menschen, die spezifische Probleme haben (wie bspw. Epilepsie), helfen. Bis zu 30 % aller Leute reagieren nämlich nicht auf die Medikamente, die es dagegen gibt. Es muss aber immer eine Kosten-Nutzen-Analyse angestellt werden. Die stark verringerte Anzahl von Anfällen durch eine ketogene Ernährung und die damit einhergehenden Vorteile überwiegen das Risiko, das mit einer ketogenes Ernährungsweise einhergehen kann. Das heißt aber nicht, dass die ketogene Diät für alle Menschen geeignet ist. Die Studienlage ist eindeutig: eine kalorienarme Ernährung erzeugt bei gesunden Menschen, die diese Ernährungsweise nicht in medizinischer Form praktizieren, Probleme und bringt langfristige gesundheitliche Risiken mit sich. Man sollte es sich also zwei Mal überlegen, ob man keine Kohlenhydrate mehr isst.

Zitatquellen

1 https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/20537171/
2 https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/18793598/
3 https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/19027591/
4 https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/17109786/
5 https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC1198735/
6 https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/25649120/
7 https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/30007242/
8 https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/23372809/
9 https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/19328268/
10 https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28012184/