„Ich hab’s vermasselt.“

Dienstag, 17. Dezember 2019

„Ich hab’s vermasselt.“

Sam Walton, der Gründer von Walmart, der ein kleines regionales Unternehmen mit nur einer Filiale zu einem der größten Handelsunternehmen der Welt ausgebaut hat, war ein Vollblutunternehmer. Wie ein Besessener hat er jede freie Minute damit verbracht, seine Firma zu verbessern.

Das machte ihn zu einem der reichsten und erfolgreichsten Menschen der Welt. Umso erstaunlicher sind da auf den ersten Blick seine letzten Worte, die er auf seinem Totenbett im Kreis seiner Familie gesagt hat: „I blew it“, was so viel wie „Ich hab’s vermasselt“ bedeutet.

Denkt man jedoch kurz darüber nach, ist es nicht mehr so erstaunlich. Sam Walton realisiert in seinen letzten Minuten, dass er das, was ihm eigentlich am wichtigsten war, zu selten getan hat: Zeit mit den Menschen zu verbringen, die ihm am meisten bedeuteten.

Eine Frage der Definition

Wie definieren Sie Erfolg? Sind es das prall gefüllte Bankkonto, der perfekte Körper, das fette Auto, ein riesiges Haus oder andere Besitztümer, die man im Laufe des Lebens anhäuft? All diese Dinge sind schön, aber sie bringen keine Erfüllung. Was wir in der heutigen Zeit, in der wir ständig die Reichen und Schönen sehen und auch so sein wollen, meist vergessen: ein erfülltes Leben, das kein Bedauern am Ende auslöst, ist eines, in dem man mit den Menschen, die einem wichtig sind, so viel Zeit verbringt wie möglich, wenn man seine Gefühle mit anderen teilt und schöne Erlebnisse mit ihnen hat.

Memento mori

Wenn erfolgreiche Feldherren im alten Rom zurück in die Hauptstadt kamen, wurde für sie ein Triumphzug durch die Stadt organisiert. Alle jubelten ihnen zu und so war die Verlockung groß, größenwahnsinnig zu werden. Damit das nicht passierte, stand ein Diener hinter den Feldherren, der ihnen während des gesamten Triumphzugs ständig „Memento mori“ zurief, also „Bedenke, dass du sterben wirst.“

Die harte Wahrheit

Die Wahrheit ist, dass jeder Mensch mit jeder Sekunde dem Tod ein Stück näher kommt. Jeder Mensch liegt schon bei seiner Geburt auf dem Totenbett, die Frage ist nur, wie viel Zeit ihm bleibt.

In der heutigen Zeit der unendlichen technologischen Möglichkeiten und Ablenkungen übersehen wir immer mehr, was wirklich zählt. Die meisten von uns haben heute Ziele, die gar nicht ihre eigenen sind. Wir streben nach Schönheit, Macht, Geld … Doch sind diese Dinge nur Schall und Rauch und meist nicht das, was wir selbst im tiefsten Inneren wirklich wollen, sondern von der Gesellschaft vorgegebene Dinge.

Unser wertvollster Besitz

Was wir meist übersehen ist die Zeit. Jeder Mensch hat nur eine finite Menge davon und niemand weiß, wie viel ihm noch bleibt. Und trotzdem leben wir, als hätten wir unendlich viel Zeit zur Verfügung. Das äußert sich in den falschen Prioritäten, die wir täglich leben. Wir verschwenden Zeit mit Dingen, die uns nichts bedeuten, die uns unglücklich machen.

Für viele ist Geld verdienen wichtiger, als Zeit zu haben für die Dinge, die ihnen wirklich etwas bedeuten. Am Ende bereuen es alle, wenn sie zu wenig Zeit mit den Menschen verbracht haben, die ihnen wichtig sind.

„Ich wünschte, ich hätte mehr gearbeitet.“ – das waren noch von keinem Menschen die letzten Worte. Gerade jetzt zu Weihnachten sollten wir darüber nachdenken und uns dann bewusst Zeit für die Personen nehmen, die uns am wichtigsten sind. Wer weiß schon, wie viele Möglichkeiten wir dazu noch haben.